MDMA, Psilocybin und Ketamin werden inzwischen in Studien zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)* untersucht. Die drei Stoffe wirken auf unterschiedliche Weise, werden in unterschiedlichen Behandlungsabläufen eingesetzt und sind sehr verschieden gut erforscht.
Bei MDMA zeigen zwei Phase-3-Studien* einen deutlichen Unterschied gegenüber Placebo*, für eine Zulassung in den USA reichten die Daten dennoch nicht. Die direkte PTBS-Forschung mit Psilocybin beginnt erst, während Studien zu Ketamin zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Psilocybin, MDMA und Ketamin im Vergleich
MDMA, Psilocybin und Ketamin werden häufig gemeinsam genannt. Pharmakologisch gehören sie nicht in dieselbe Gruppe. Sie verändern Erleben und Wahrnehmung auf unterschiedliche Weise, wirken unterschiedlich lange und bringen jeweils eigene Risiken mit.
Psilocybin
Definition: Ein natürlich vorkommender Wirkstoff in mehr als 200 Pilzarten. Im Körper entsteht daraus Psilocin, das vor allem an Serotonin-Rezeptoren wirkt und Wahrnehmung, Zeitgefühl und Bedeutungserleben verändern kann.
Ursprung: Der rituelle Gebrauch psilocybinhaltiger Pilze in indigenen Kulturen Mesoamerikas reicht lange vor die westliche Laborforschung zurück. Albert Hofmann und sein Team isolierten Psilocybin und Psilocin 1958 aus Psilocybe mexicana.
MDMA
Definition: Ein vollständig synthetischer Stoff. MDMA steigert unter anderem die Freisetzung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. In der Forschung wird es meist als Entaktogen* bezeichnet, weil emotionale Offenheit und zwischenmenschliche Nähe im Erleben zunehmen können.
Ursprung: Der Merck-Chemiker Anton Köllisch stellte MDMA 1912 erstmals als Zwischenprodukt einer chemischen Synthese her. Entgegen einer oft wiederholten Geschichte wurde es damals nicht als Appetitzügler entwickelt.
Ketamin
Definition: Ein synthetisches Narkosemittel mit dissoziativer Wirkung*.
Ursprung: Ketamin wurde 1962 synthetisiert und 1970 in den USA als Narkosemittel zugelassen. Esketamin ist eine von zwei spiegelbildlichen Formen des Ketamin-Moleküls und wird als Nasenspray gegen bestimmte schwere Depressionen eingesetzt, nicht gegen PTBS.
Die Studien gehen der Frage nach, ob ein zeitlich begrenzter veränderter Bewusstseinszustand eine sorgfältig vorbereitete psychotherapeutische Arbeit unterstützen kann. Wie dieser Zustand entsteht, wie lange er anhält und welche Risiken beachtet werden müssen, unterscheidet sich bei den drei Stoffen erheblich.
Wie substanzunterstützte Studien aufgebaut sind
Die viel zitierten Ergebnisse stammen nicht aus einem gewöhnlichen Konsumkontext. Untersucht werden aufwendige Protokolle mit medizinischer und psychischer Prüfung, vorbereitenden Gesprächen, einer oder mehreren mehrstündigen Substanzsitzungen und anschließender Integration.
- 01AuswahlDiagnostik, Risiken, Medikamente und Ausschlusskriterien prüfen
- 02VorbereitungZiele, Grenzen, mögliche Reaktionen und Zustimmung besprechen
- 03SitzungMehrstündige Begleitung mit körperlicher und psychischer Überwachung
- 04IntegrationErlebtes einordnen und mit dem Alltag verbinden
- 05NachbeobachtungWirkung und unerwünschte Ereignisse über Wochen oder Monate erfassen
In den beiden großen MDMA-Studien bestand das Programm aus drei vorbereitenden Sitzungen, drei ganztägigen experimentellen Sitzungen und neun Integrationssitzungen. In der ersten direkten Psilocybin-Studie zu PTBS begleiteten zwei Fachpersonen die mehrstündige Sitzung; ein Psychiater war vor Ort verfügbar. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Risiken wurden von der Teilnahme ausgeschlossen.
Die Substanzsitzung ist nur ein Teil des untersuchten Behandlungskonzepts.
Die Studien prüfen ein vollständiges Behandlungskonzept. Vorbereitung, Beziehung, Substanzsitzung und Integration wirken zusammen. Die Ergebnisse sagen deshalb nicht voraus, was bei eigenständigem Konsum oder in einem kommerziellen Retreat geschieht.
Die stärksten Daten und die härteste regulatorische Prüfung
Für eine MDMA-unterstützte Therapie bei PTBS liegen zwei randomisierte* Phase-3-Studien vor. In der ersten Studie mit 90 Teilnehmenden sank der klinisch erfasste PTBS-Schweregrad in der MDMA-Gruppe stärker als in der Gruppe, die dieselbe Therapie mit Placebo erhielt. Die zweite Studie mit 104 Teilnehmenden bestätigte einen statistischen Unterschied.12
In MAPP2 sank der CAPS-5-Wert* im Mittel um 23,7 Punkte mit MDMA und um 14,8 Punkte mit Placebo. Die statistische Effektstärke* lag bei d = 0,7. Ein Wert von 0,7 gilt häufig als mittlerer bis größerer Unterschied. Er sagt jedoch nicht, dass jede teilnehmende Person in diesem Maß profitierte.2
Die beiden Studien gehörten zum MAPP-Entwicklungsprogramm*. MAPP2 wurde von MAPS finanziert und von MAPS PBC organisiert. MAPS PBC wurde 2024 in Lykos Therapeutics umbenannt und stellte den Zulassungsantrag bei der FDA. Die Nähe zwischen Sponsor, Studienorganisation und beteiligten Autorinnen und Autoren ist ein offenzulegender Interessenkonflikt. Die Offenlegung dieses Interessenkonflikts ersetzt keine unabhängige inhaltliche Prüfung der Daten.
Ein zentrales Problem war die Verblindung*. In MAPP2 glaubten oder wussten 94,2 Prozent der MDMA-Gruppe, MDMA erhalten zu haben. Auch drei Viertel der Placebogruppe ordneten ihre Zuteilung richtig ein. Erwartungen, therapeutische Beziehung und Substanzwirkung lassen sich dann schwerer voneinander trennen.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA lehnte den Antrag 2024 ab. In ihrem Complete Response Letter* nannte sie offene Fragen zu Wirksamkeit, Sicherheit, Entblindung und Langzeitbeobachtung. Sie verlangte eine weitere kontrollierte Studie.4
Eine 2026 veröffentlichte Meta-Analyse* betrachtete 14 Untersuchungen zu MDMA-unterstützten Behandlungen bei PTBS. Acht Studien mit insgesamt 298 Personen gingen in die Berechnung der PTBS-Symptome ein. Der zusammengefasste Effekt war groß, die Forschenden bewerteten die Verlässlichkeit dieser Studienlage jedoch als sehr niedrig. Gründe waren kleine Stichproben, Unterschiede zwischen den Studien, mögliche Verzerrungen und die schwierige Verblindung.3
Zwei randomisierte Phase-3-Studien zeigen einen statistisch deutlichen Unterschied gegenüber Placebo.
Verblindung, unabhängige Wiederholung der Studien, vollständige Sicherheitsdaten und dauerhafte Wirkung.
Keine FDA-Zulassung. Der Antrag wurde 2024 in der vorgelegten Form abgelehnt.
Bei PTBS beginnt die direkte Forschung gerade erst
Psilocybin wird intensiv bei Depressionen und existenzieller Angst untersucht. Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf PTBS übertragen. Bis zum 23. Juli 2026 war keine veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Wirksamkeitsstudie auffindbar, in der PTBS das primäre Krankheitsbild war.
Die erste veröffentlichte direkte PTBS-Studie umfasste 22 Erwachsene. Sie war offen*, nicht randomisiert und besaß keine Vergleichsgruppe. Die Teilnehmenden erhielten eine Dosis von 25 Milligramm Psilocybin mit psychologischer Begleitung. Die PTBS-Werte gingen über zwölf Wochen zurück. Ohne Vergleichsgruppe bleibt aber unklar, wie viel davon auf Psilocybin, die intensive Begleitung, Erwartungen oder andere Einflüsse zurückging.6
Die Auswahl war eng. Ausgeschlossen waren unter anderem Menschen mit komplexer PTBS* sowie Menschen mit klinisch relevantem Suizidrisiko, psychotischen oder bipolaren Erkrankungen und Substanzkonsumstörungen. Dadurch wissen wir noch wenig darüber, wie gut die Ergebnisse auf die vielfältigen Menschen in der regulären Versorgung übertragbar sind.
Eine erste direkte Studie beschreibt Verträglichkeit und einen Rückgang der Symptome über zwölf Wochen.
Vergleich mit Placebo, Wirksamkeit in größeren Gruppen, Langzeitverlauf und Übertragbarkeit.
Keine Zulassung als PTBS-Behandlung in Deutschland, den USA oder der Schweiz.
Was bislang zu Psilocybin bei Alzheimer und Demenz erforscht wird
Die derzeit laufende Johns-Hopkins-Pilotstudie untersucht Psilocybin bei bis zu 20 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Alzheimer-Erkrankung. Im Mittelpunkt stehen depressive Symptome und Lebensqualität, nicht das Aufhalten der Demenz. Die Studie ist offen angelegt, rekrutiert noch und hatte am 23. Juli 2026 keine Ergebnisse veröffentlicht. Ihr Abschluss ist für Ende 2026 vorgesehen.22
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung an Mäusen mit einem Alzheimer-Krankheitsmodell fand nach monatlicher Psilocybin-Gabe bessere Ergebnisse in bestimmten Gedächtnis- und Verhaltenstests. Im Hirngewebe zeigten sich weniger Entzündungsmarker, mehr neu gebildete Nervenzellen im Hippocampus* und besser erhaltene synaptische Proteine*. Die Amyloid-Ablagerungen* veränderten sich nicht. Diese Ergebnisse stammen aus einem Tiermodell und sind noch kein Nachweis für eine Wirkung bei Menschen.23
Im Mai 2026 erschien außerdem ein Bericht über eine 80-jährige Frau mit fortgeschrittener Alzheimer-Erkrankung. Nach einer hohen Dosis psilocybinhaltiger Pilze wurden vorübergehend Verbesserungen bei Sprache, Bewegung, Kontinenz und sozialem Kontakt beobachtet. Während der akuten Phase traten starkes Schwitzen, eine vermutete Überwärmung und ein lang anhaltender schlafähnlicher Zustand auf. Da es sich um eine einzelne Person ohne Vergleichsgruppe und ohne standardisierte kognitive Messungen handelt, liefert der Bericht eine Forschungsfrage, aber keinen Wirksamkeitsnachweis.24
Eine kleine offene Pilotstudie untersucht Depression und Lebensqualität bei früher Alzheimer-Erkrankung; Ergebnisse stehen noch aus.
Bei Mäusen wurden bessere Funktionswerte und weniger Entzündungsmarker beobachtet, jedoch keine Veränderung der Amyloid-Ablagerungen.
Es ist nicht geklärt, ob Psilocybin depressive Beschwerden, Lebensqualität oder kognitive Funktionen bei Menschen mit Demenz verlässlich beeinflussen kann.
Kleine Studien waren positiv, die größere Studie nicht
Bei Ketamin fallen die Studienergebnisse unterschiedlich aus. Eine randomisierte Studie mit 30 Personen fand nach sechs Infusionen einen deutlichen Unterschied gegenüber einem aktiven Placebo*. Nach zwei Wochen galten 67 Prozent der Ketamin-Gruppe als Responder*. In der Vergleichsgruppe waren es 20 Prozent. Bei den Respondern hielt die Wirkung nach dem zweiwöchigen Infusionskurs im Median* 27,5 Tage an.7
Eine größere Studie mit 158 Veteraninnen, Veteranen und aktiven Militärangehörigen konnte diesen Vorteil für PTBS-Symptome nicht bestätigen. Beim vorab festgelegten Hauptziel der Studie, der Veränderung der PTBS-Symptome, ließ sich weder für die niedrige noch für die übliche Ketamin-Dosis ein statistischer Unterschied zu Placebo nachweisen. Depressive Symptome verbesserten sich unter der höheren Dosis stärker.8
Ketamin ist als Narkosemittel medizinisch etabliert. Eine Behandlung von PTBS gehört jedoch nicht zu seiner zugelassenen Anwendung. Esketamin-Nasenspray ist in der EU für bestimmte Formen einer behandlungsresistenten Depression zugelassen. Diese Zulassung gilt ebenfalls nicht für PTBS.15
Einige kleinere kontrollierte Studien zeigen einen schnellen Rückgang von PTBS-Symptomen.
Eine deutlich größere, an mehreren Kliniken durchgeführte Studie fand bei der Veränderung der PTBS-Symptome keinen statistisch nachweisbaren Vorteil.
Ketamin ist ein zugelassenes Narkosemittel, aber keine zugelassene PTBS-Behandlung.
Wichtig bei intensiven Erfahrungen zu beachten
Veränderte Bewusstseinszustände können neue Perspektiven und emotionalen Zugang ermöglichen. Sie können zugleich Angst, Kontrollverlust, Desorientierung oder schmerzhafte Erinnerungen verstärken. Die körperlichen und psychischen Risiken unterscheiden sich je nach Stoff, Dosis, Vorerkrankung, Medikamenten und Behandlungsrahmen.
In den MDMA-Studien traten unter anderem Muskelanspannung, Übelkeit, verminderter Appetit und Schwitzen auf; auch vorübergehende Anstiege von Puls und Blutdruck sind relevant. In der kleinen Psilocybin-PTBS-Studie wurden 117 behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse bei 22 Teilnehmenden erfasst, häufig Kopfschmerz, Übelkeit, Weinen und Müdigkeit. In der größeren Ketamin-Studie traten dosisabhängig dissoziative und psychoseähnliche Effekte auf.
Besondere Aufmerksamkeit braucht die Beziehung zwischen Teilnehmenden und Begleitpersonen. Wer sich in einer mehrstündigen Sitzung körperlich und emotional öffnet, ist auf klare Grenzen angewiesen. Zustimmungsregeln, Berührungsvereinbarungen, unabhängige Beschwerdewege und eine vollständige Erfassung unerwünschter Ereignisse sind zentrale Sicherheitsvorkehrungen.
Woran du eine seriöse klinische Studie erkennst
Sie ist in einem öffentlichen Studienregister auffindbar, nennt die zuständige Ethikkommission und erklärt, wer medizinisch verantwortlich ist. Du erfährst vorab, wie Risiken geprüft, unerwünschte Ereignisse dokumentiert und belastende Erfahrungen nachbetreut werden.
Was in Deutschland, den USA und der Schweiz möglich ist
Deutschland, die USA und die Schweiz regeln Forschung, medizinische Ausnahmebewilligungen, Angebote einzelner Bundesstaaten und Arzneimittelzulassungen auf unterschiedlichen Wegen. Die Tabelle zeigt, was an welchem Ort tatsächlich erlaubt ist.
| Land | MDMA und Psilocybin | Ketamin und Esketamin | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|---|
| Deutschland | MDMA und Psilocybin stehen in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes. Forschung ist mit Erlaubnis möglich, eine reguläre Verschreibung nicht. | Ketamin wird als Narkosemittel eingesetzt. Esketamin ist für bestimmte schwere Depressionen zugelassen, nicht für PTBS. | Keine reguläre psychedelika-unterstützte PTBS-Behandlung. Zugelassene Forschung bleibt möglich. |
| USA | Bundesrechtlich keine FDA-Zulassung für PTBS. MDMA und Psilocybin bleiben auf Bundesebene streng kontrolliert. Oregon und Colorado haben eigene Programme für begleitete Psilocybin-Angebote geschaffen. | Ketamin ist als Narkosemittel zugelassen und bundesrechtlich kontrolliert. Esketamin ist für behandlungsresistente Depression zugelassen, nicht für PTBS. | Ein staatliches Psilocybin-Programm in Oregon oder Colorado ist keine bundesweite Arzneimittelzulassung und keine FDA-anerkannte PTBS-Therapie. |
| Schweiz | Das Bundesamt für Gesundheit kann im Einzelfall eine Ausnahmebewilligung für die beschränkte medizinische Anwendung verbotener Stoffe wie MDMA oder Psilocybin erteilen. | Esketamin ist für behandlungsresistente Depression zugelassen, nicht für PTBS. | Der Schweizer Sonderweg gilt für begründete Einzelfälle, Schweizer Patientinnen und Patienten und entsprechend berechtigte Ärztinnen oder Ärzte. Er ist keine allgemeine Legalisierung. |
In Deutschland dürfen MDMA und Psilocybin nach Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes weder verschrieben noch in Apotheken verkauft werden. Eine Forschungserlaubnis kann nach § 3 BtMG erteilt werden.14 In den USA lehnte die FDA den MDMA-Antrag 2024 ab. Oregon und Colorado regeln Psilocybin-Angebote auf Ebene des Bundesstaats, obwohl Psilocybin bundesrechtlich nicht als Arzneimittel zugelassen ist.1920
Die Schweiz erlaubt seit Jahren einzelne medizinische Anwendungen über Ausnahmebewilligungen. Beantragen kann sie eine in der Schweiz zur Berufsausübung berechtigte Ärztin oder ein entsprechender Arzt für eine Patientin oder einen Patienten mit Schweizer Wohnsitz. Das BAG verlangt unter anderem eine schriftliche Einwilligung, Begründung und Verlaufsberichte. Der 2025 veröffentlichte Expertenbericht beschreibt MDMA seit 2014 vor allem bei PTBS in diesem Ausnahmeweg.1617
Framebreak bietet keine psychedelika- oder substanzunterstützte Behandlung an. Dieser Beitrag ordnet die Forschung ein, weil Menschen mit Traumaerfahrungen dazu sehr unterschiedliche Versprechen finden.
Was du aus der Forschung mitnehmen kannst
MDMA besitzt derzeit die am weitesten entwickelte direkte Studienlage bei PTBS. Zwei Phase-3-Studien zeigen einen deutlichen Unterschied gegenüber Placebo. Zugleich bleiben Verblindung, unabhängige Wiederholung der Studien, Sicherheitsdokumentation und Langzeitwirkung so wichtig, dass die FDA eine weitere Studie verlangt hat und eine Meta-Analyse von 2026 die Verlässlichkeit der gesamten Studienlage als sehr niedrig bewertet.
Psilocybin steht bei PTBS deutlich früher. Eine offene Studie mit 22 Personen kann zeigen, dass weitere Forschung sinnvoll ist, aber noch keine zuverlässige Wirksamkeit belegen. Bei Ketamin passen die Ergebnisse der kleinen positiven Studien und der größeren negativen Studie bislang nicht zu einer einfachen Empfehlung.
Über alle drei Forschungszweige hinweg zeigt sich, wie viel vom Rahmen abhängt: sorgfältige Auswahl, verständliche Aufklärung, eine verlässliche Beziehung, klare Grenzen, medizinische Sicherheit und Zeit für Integration. Für die Bewertung zählt deshalb nicht nur, was während einer Sitzung geschieht. Studien müssen ebenso untersuchen, wie lange Veränderungen anhalten, welche Begleitung nötig ist und bei wem Risiken auftreten.
Quellenbasis
Die Recherche wurde mit Consensus und Perplexity breit angelegt und anschließend an Studien, Behörden- und Gesetzesquellen geprüft. Studienergebnisse, behördliche Entscheidungen und rechtliche Einordnungen wurden getrennt bewertet. Stand: 23. Juli 2026.
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- Mitchell, J. M. et al. (2023). MDMA-assisted therapy for moderate to severe PTSD: a randomized, placebo-controlled phase 3 trial. Nature Medicine, 29, 2473-2480. DOI: 10.1038/s41591-023-02565-4
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- Lago, M., Cerveira, M. & Simonet, J. X. (2026). Transient multidomain functional improvement in advanced Alzheimer’s disease following high-dose psilocybin-containing mushroom administration: a case report. Frontiers in Neuroscience, 20, 1813281. DOI: 10.3389/fnins.2026.1813281
Erklärung der Fachtermini
Die folgenden Begriffe sind im Text mit einem * markiert.
- PTBS
- Die Abkürzung steht für posttraumatische Belastungsstörung. Gemeint ist eine fachlich diagnostizierte Störung mit Symptomen wie ungewolltem Wiedererleben, Vermeidung, anhaltender Alarmbereitschaft und Veränderungen von Stimmung oder Gedanken.
- Phase 3
- Eine späte Stufe der Arzneimittelforschung. Eine Behandlung wird an einer größeren Gruppe kontrolliert geprüft, bevor eine Zulassung beantragt werden kann. Eine positive Phase-3-Studie führt nicht automatisch zu einer Zulassung.
- Placebo
- Eine Vergleichsbehandlung ohne den untersuchten Wirkstoff. Die Placebogruppe hilft dabei, Veränderungen durch Erwartungen, Begleitung und den natürlichen Verlauf von der Wirkung des untersuchten Stoffes zu unterscheiden.
- Randomisiert
- Die Teilnehmenden werden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt. Dadurch sollen sich die Gruppen zu Beginn möglichst wenig systematisch unterscheiden.
- Entaktogen
- Bezeichnung für einen Stoff, der das Erleben emotionaler Offenheit, Nähe und innerer Verbundenheit verstärken kann. MDMA wird in der Forschung häufig dieser Gruppe zugeordnet.
- Dissoziative Wirkung
- Körpergefühl, Umgebung und das Erleben des eigenen Selbst können sich zeitweise voneinander gelöst oder unwirklich anfühlen.
- CAPS-5
- CAPS-5 steht für Clinician-Administered PTSD Scale for DSM-5. In einem strukturierten Gespräch bewertet eine geschulte Fachperson 20 PTBS-Symptome. Die Einzelwerte ergeben einen Schweregrad. Ein Rückgang um 23,7 Punkte bedeutet deshalb keine „23,7 Prozent Heilung“, sondern eine durchschnittliche Abnahme der klinisch bewerteten Symptombelastung.
- Effektstärke
- Sie beschreibt, wie weit zwei Gruppen im Durchschnitt auseinanderliegen, unabhängig von der Einheit einer Messskala. Eine Effektstärke sagt nicht, dass jede teilnehmende Person in gleichem Maß profitiert.
- MAPP, MAPS und MAPS PBC
- MAPP war die Bezeichnung des klinischen Entwicklungsprogramms. MAPS, die Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies, ist eine gemeinnützige Organisation. MAPS Public Benefit Corporation organisierte die Studien und wurde 2024 in Lykos Therapeutics umbenannt.
- Verblindung
- Teilnehmende oder Behandelnde sollen nicht wissen, wer den untersuchten Stoff und wer die Vergleichsbehandlung erhalten hat. Bei deutlich spürbaren Substanzen gelingt das oft nur eingeschränkt.
- Complete Response Letter
- Eine formelle Mitteilung der US-Arzneimittelbehörde FDA, dass ein Zulassungsantrag in der eingereichten Form nicht genehmigt werden kann.
- Meta-Analyse
- Eine statistische Auswertung, die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenführt. Ihre Aussagekraft hängt von der Qualität, Größe und Vergleichbarkeit der einbezogenen Studien ab.
- Offene Studie
- Alle Beteiligten wissen, welche Behandlung gegeben wird. Fehlt zusätzlich eine Vergleichsgruppe, lässt sich schwerer trennen, welcher Anteil einer Veränderung auf die Substanz, Begleitung, Erwartungen oder den natürlichen Verlauf zurückgeht.
- Komplexe PTBS
- Eine Diagnose, die nach langanhaltenden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen entstehen kann. Zusätzlich zu den klassischen PTBS-Symptomen können Schwierigkeiten mit Gefühlsregulation, Selbstbild und Beziehungen auftreten.
- Aktives Placebo
- Ein Vergleichsstoff, der selbst spürbare Wirkungen auslösen kann. Dadurch lässt sich schwerer erkennen, wer den untersuchten Stoff und wer die Vergleichsbehandlung erhalten hat.
- Responder
- Eine Person, deren Messwert sich um einen vorab festgelegten Mindestwert verbessert hat.
- Median
- Der mittlere Wert einer sortierten Reihe: Eine Hälfte liegt darunter, die andere darüber.
- Hippocampus
- Eine Hirnregion, die unter anderem für Lernen, Gedächtnis und räumliche Orientierung wichtig ist.
- Synaptische Proteine
- Eiweißstoffe, die an Aufbau und Funktion der Kontaktstellen zwischen Nervenzellen beteiligt sind.
- Amyloid-Ablagerungen
- Ansammlungen bestimmter Eiweißbestandteile im Gehirn, die zu den charakteristischen biologischen Veränderungen bei Alzheimer gehören.
Psychedelika-Forschung und Angebote prüfen
Zehn konkrete Fragen helfen dir, Studienmeldungen, Kliniken und kommerzielle Angebote genauer einzuordnen.
- Studienqualität ohne Fachsprache einordnen
- Zulassung, Ausnahmebewilligung und Legalisierung unterscheiden
- Sicherheit und Interessenkonflikte gezielt prüfen